Interview mit HardtraX

Das Exklusivinterview!

HardtraX

Erlebt das Exklusiv-Interview mit HardtraX!

Taucht ein in die faszinierende Welt des renommierten Techno-Künstlers HardtraX, der seit über 27 Jahren die Szene prägt. In diesem exklusiven Interview gewährt er uns Einblicke in seine musikalische Reise, die Gründung von „Dark Force Recordings“ und die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Jackhamma, O.B.I., und Dunkelkammer.

Erfahrt mehr über die Anfänge von „Dark Force Recordings“ und die Motivation hinter diesem einflussreichen Label. HardtraX teilt auch seine Perspektiven auf die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und wie die kreative Fusion zu einzigartigen Tracks führt.

Entdeckt die Hintergründe seines 14. Albums „Es ist alles wie immer“ und die Bedeutung dieser musikalischen Zusammenarbeit mit Dunkelkammer. Zusätzlich gibt er einen Ausblick auf kommende Projekte und das nächste Album der Trilogie.

Lasst euch inspirieren von HardtraX’s Ansichten zu technologischen Entwicklungen, seiner Rolle in der Techno-Szene und dem Einfluss von Vinyl. Erfahrt, warum der Fusion Club in Münster einen besonderen Platz in seinem Herzen hat und wie das Leben außerhalb der Musik seine kreative Arbeit beeinflusst.

Ein absolutes Muss für alle Fans elektronischer Musik und für diejenigen, die einen Blick hinter die Kulissen eines der einflussreichsten Künstler der Szene werfen möchten.

Bleibt auf dem Laufenden und verpasst nicht dieses exklusive Interview mit HardtraX – einem der wahren Pioniere des Techno!

Anfänge und Inspiration:

Wie bist du zum ersten Mal mit Techno in Berührung gekommen, und was hat dich dazu inspiriert, selbst Musik zu produzieren oder als DJ tätig zu werden?

Zu Beginn der 90’er Jahre war es in Deutschland quasi unmöglich, sich dem damals neuen Phänomen Techno und der damit verbundenen Ravekultur zu entziehen. Die Massenmedien berichteten überall über den neuesten Trend in der deutschen und internationalen Musiklandschaft, und somit gab es nachts Radioprogramme mit dem neuartigen Rave-Sound während tagsüber Reportagen über Großveranstaltungen wie die Love Parade oder Mayday, sowie Dokumentationen über die einschlägigen Protagonisten der Raveszene im Fernsehen liefen. Schon mit etwa 10 Jahren habe ich diese absorbiert, da es mich bereits früh faszinierte wie radikal anders und unkonventionell Techno doch war. Eine Musik die wenig bis gar nicht auf Klänge aus traditionellen Instrumenten basiert, die andere Musikrichtungen komplett dominierten, fand ich wahnsinnig spannend. Die Verwendung von Synthesizern um komplett neue Klangwelten zu eröffnen, und diese Maschinen dann wiederum mit Computern zu steuern, war mich ein unheimlich interessantes Thema. Nicht zuletzt deshalb, weil ich mir zuvor im Jahr 1990 meinen ersten eigenen Heimcomputer (einen Commodore 64C) gekauft habe, nachdem ich bei den Eltern anderer Kinder um 1988 und 1989 herum diverse IBM-kompatible PC XT-Modelle sah. Computer und elektronische Musik wurden für mich also schnell zu einem zentralen Thema, wobei ich mich anfangs aber eher auf BASIC-Programmierung und Computerspiele konzentrierte, als auf Technomusik.

1993 kaufte ich mir mit 12 Jahren im Frankreichurlaub meine allererste Techno-Compilation auf Audiokassette: „Tekkno Dance Party 6“, erschienen bei Flarenasch. Die A-Seite fing direkt mit dem knallharten Track „Terapia“ von Ramirez im „Hocus Terapiocus Mix“ an – ich war erneut schwer begeistert. Mein Konsum an Technomusik erhöhte sich exponentiell und ich fing an ein wenig tiefer ins Thema einzutauchen und mir mehr und mehr Kassetten und CDs von meinem Taschengeld zu kaufen, obwohl nach der letzten Schulstunde weiterhin täglich mein Commodore 64 im Vordergrund stand. Auch fand ich große Freude an den Technosounds aus der C64-Demoszene, die talentierte Programmierer dem heutzutage legendären SID-Soundchip entlockten (und dessen Klänge heute noch bei vielen Künstlern Verwendung finden).

Ernst wurde es dann mit dem Erwerb meines Amiga 600 Computers und dem anschließenden Kaufs des größeren Modells mit AGA-Chipsatz und doppelt soviel RAM (nämlich ganze 2 Megabyte!). Der Paula-Soundchip des Amigas schaffte es immerhin schon Samples zu verarbeiten und per Zufall stieß ich auf eine Software aus meiner CD-ROM Sammlung namens „Protracker 3.11“, durch welche ich dann durch langes Probieren und Sezieren bereits vorhandener Songs (sogenannter „Modules“, kurz „MODs“) schließlich auch herausfand, wie man Audiosamples effektiv verwendet und diese mit der Trackersoftware zu einem richtigen Track arrangiert.

Tracker-Programme sind anders als moderne DAWs aufgebaut und erscheinen einem Laien eher wie Buchstaben- und Zahlenkolonnen im Hexadezimalsystem, die wie in einer scrollenden Excel-Tabelle aufgelistet von oben nach unten fließen… Und in der Tat ähnelt diese Art und Weise der Musikproduktion eher einem „Programmieren“ von Musik, was jedoch nicht verwunderlich ist wenn man bedenkt aus welcher Szene diese Softwaretools stammen.

Anleitungen? Hatte ich keine. Internet? Das war noch primitiv, langsam und kaum erschwinglich, weshalb ich keinen Zugang dazu hatte und es für mich als mögliche Hilfe ungeeignet war. Bücher zum Thema waren mir ebenfalls keine bekannt und ich hatte zudem niemanden, den ich zum Thema hätte befragen können. Hier ging also nur das Prinzip „Trial & Error“, wie es auf Englisch heißt. Im Endeffekt brachte ich mir alles selber bei. Heutzutage ist der Einstig ins Thema Musikproduktion selbstverständlich viel einfacher und man kommt spielend leicht an umfangreiche Soft- und Hardwarelösungen für jeden noch so speziellen Produktionsansatz. Etliche YouTube-Kanäle befassen sich mit nichts anderem mehr und kauen einem schon vor, was man alles tun muß und was man benötigt, um ebenfalls in der Szene mitmischen zu können. Es ist wirklich deutlich leichter geworden. Die jüngere Version von mir hätte von dem was heute machbar ist, nicht einmal ansatzweise zu träumen gewagt.

Effekte gab es nur begrenzt, ebenso wie Platz für Soundsamples oder überhaupt verfügbare Spuren (auf dem Amiga sogar nur vier an der Zahl, mit Hardpanning jeweils auf die linke bzw. rechte Seite fest voreingestellt – eine Limitierung welche durch Software wie OctaMED über Tricks umgangen werden konnte). Besagte Effekte waren auch eher Buchstaben- und Zahlencodes mit Hexadezimalwerten um zum Beispiel Tremolo, Pitch oder die Lautstärke zu verändern. Heutzutage erscheint diese Form der Musikproduktion sicherlich archaisch, komplex und benutzerunfreundlich, aber mir gelang es im Alter von 16 Jahren im Jahr 1997 dennoch sehr schnell herauszufinden, wie man mit Trackern eigene House- und Technotracks erzeugen konnte. All dies nur mit meinen Amiga-Computern, einer Hi-Fi Anlage, Kopfhörern und der Trackersoftware. Als erwachsener Profi hätte man für ein sehr kleines Studio-Setup zur damaligen Zeit mindestens 20000 D-Mark investieren müssen, weshalb ich eigentlich schon super froh war über die Ergebnisse, die ich mit einfachen Mitteln und ohne hohen Geldeinsatz als Teenager erzielen konnte.

Irgendwann um 1997/1998 herum gründete ich auf der Insel Mauritius (wo ich damals über verschiedene Zeiträume lebte) zusammen mit einem lokalen DJ namens Nicolas und einem Mädchen an dessen Namen ich mich mittlerweile nicht einmal erinnere, ein Vocal House-Projekt unter dem Titel „The Hardtrax Project“. Der Grund für den Projektnamen ist leicht erklärt: Den meisten Leuten um uns herum war sogar elektronische Musik auf 125 bis 135 BPM schon deutlich zu hart, also war fix geklärt wie die Gruppe heißen sollte. Wir nahmen mit unserem zusammengewürfelten, sehr primitiven Equipment ein Demotape mit mehreren Housetracks auf, aber irgendwann verschwand das Mädchen mitsamt der einzigen Kassette die wir hatten. Sie tauchte nicht mehr auf, der DJ verlor die Lust auf Musikproduktion und letztendlich blieb nur ich zurück. Als ich wieder nach Deutschland zog und mir für horrende 3600 D-Mark einen damals modernen PC mit 128 MB RAM, 30 GB Festplatte und 800 MHz CPU für neue musikalische Projekte kaufte, nahm ich den alten Projektnamen wieder auf, aber änderte ihn kurze Zeit später in „HardtraX“ mit großem X am Ende.

Live-Auftritte:

Welche Erfahrungen und Erinnerungen sind dir besonders von deinen Live-Auftritten in verschiedenen Ländern geblieben? Gibt es einen Auftritt, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Natürlich war der allererste Auftritt, mit dem wir das von mir erdachte Konzept erst einmal angetestet hatten, eine ganz besondere Erfahrung. Das war bei einer der ganz frühen Parties organisiert von O.B.I. und Equinox unter dem Namen „Tekk-Tribe“ Ende 2002, zu einer Zeit als sich in Deutschland noch keine richtige Hardtechnoszene, wie man sie später erst kannte, etabliert hat. Bei diesem allerersten, gemeinsamen HardtraX vs. Jackhamma Live-Auftritt hatten wir das Konzept erst noch als Mash-Up Act konzipiert, bei dem wir massenweise Edits mit Elementen aus vielen verschiedenen Technotracks ineinandergemischt haben. Aber schon beim dritten Auftritt gab es nur noch unser eigenes Material (u.a. auch mit Live-Versionen unserer Produktionen, welche bereits durch diverse Vinylveröffentlichungen bekannt wurden).

Daraufhin folgten Reisen in verschiedenste Ecken der Welt, da sich unsere Musik vor allem durch das Medium Vinyl sehr schnell und weit verbreiten konnte. Damals waren Schallplatten die einzige relevante Möglichkeit in der Szene, um auf sich als Produzent, Live-Act und DJ aufmerksam machen zu können.

Über die Jahre hinweg (2002 bis 2018) gab es so viele HardtraX vs. Jackhamma Live-Auftritte an so vielen Orten, daß es wirklich schwierig ist, einzelne Veranstaltungen hervorzuheben. New York im Jahr 2005 war wirklich sehr interessant, Österreich war toll und die iberische Halbinsel wiederum war immer wieder ein persönliches Lieblingsziel für mich. Unsere Dark Force Recordings Label Nights in Münster, Belgien, Frankreich, Portugal und den Niederlanden von 2004 bis 2007 waren ebenfalls ganz besonders wichtige Ereignisse für uns als Künstler, als auch für den internationalen Bekanntheitsgrad unseres Labels.

Unser bisher letzter HardtraX vs. Jackhamma Liveauftritt fand im Club Peleda in Vilnius, der wunderschönen Hauptstadt Litauens, statt. Danach wurde der Club leider abgerissen, was natürlich purer Zufall war (wir hatten nichts damit zu schaffen). Daß der Sabotage Club in Dortmund im Jahr 2004 nach einer Party mit John aus dem Big Brother Container, Man At Arms, O.B.I. und uns ebenfalls direkt nach der Veranstaltung abgerissen wurde, liegt ebensowenig in unserem Verantwortungsbereich… Es gibt halt seltsame Zufälle im Leben.

Das Besondere an unserer HardtraX vs. Jackhamma Live-Performance war für uns immer, daß wir die Dynamik eines DJ-Sets mit der Flexibilität eines Live-Acts verbinden konnten. Zudem gab es im Vorfeld niemals Absprachen zwischen James und mir. Ich wusste nie, was er wohl an Sound bei unserem Auftritt einbringen würde. Ebenso wusste er nie, was ich auf meiner Seite an Sound vorbereitet habe und was ich wohl als nächstes durch den Mixer jage, und somit hatten wir immer spontan (jede Seite für sich alleine) entschieden, was wir zu jedem gegebenen Moment ins Liveset einbauen würden. Das Resultat waren völlig neue, zuvor nie angetestete Klangkombinationen, bei der wir unsere Werke, unsere Ideen, unsere Sounds live auf der Bühne miteinander haben verschmelzen lassen. Jedes Set war somit voller Überraschungen für jeden von uns. Oft schauten wir uns mitten in der Livesession an, weil wir uns gleichzeitig verwundert fragten wie geil denn diese Mischung an Sounds schon wieder war, als wir HardtraX-Sound mit Jackhamma-Sound gleichzeitig auf die Leute losgelassen haben. Dabei sind viele grandiose Übergänge entstanden, die spontan auf der Bühne entstanden sind, und welche wir auch nie wieder exakt so reproduzieren könnten. Aber Jackhamma ist auch einfach der Künstler, mit dem ich mich schon immer quasi blind verstanden habe. Es bedarf mit ihm ohnehin keiner großen Erklärung oder Absprachen, denn der Sound hat so oder so jedes Mal perfekt zusammengepasst.

Label "Dark Force Recordings":

Was war die Motivation hinter der Gründung von "Dark Force Recordings," und wie hat sich das Label im Laufe der Zeit entwickelt?

James aka Jackhamma und ich wollten damals unsere eigene Vision von härterem Techno mit düsterer Atmosphäre verbreiten, und Vinyl war damals natürlich der einzig effektive Weg, um den eigenen Sound in die Welt zu tragen. Rein digitale Formate und Vertriebswege waren für DJs in der Technoszene im Jahr 2003 noch vollkommen ungeeignet. Auch die ersten CDJ-1000 Player von Pioneer DJ hatten sich zu diesem Zeitpunkt erst allmählich etabliert. Zwei Technics SL 1200/1210 mit einem Pioneer DJ DJM-500 im Club stehen zu sehen, war einfach der Standard. Und über Vinyl ging unsere Musik zu dieser Zeit auch einfach am schnellsten um den Globus. Die Scheiben unserer Pressungen gingen sehr schnell auch in weit entlegene Länder wie beispielsweise Japan, den USA, Venezuela, Südafrika, Kolumbien oder Australien. 

Mit Unterstützern der ersten Stunde aus verschiedenen Ecken der Welt habe ich auch heute noch Kontakt. Wir hatten aber auch Glück damit, daß unsere allerste Veröffentlichung namens „Evil Frequencies“ auf Dark Force Recordings direkt so stark einschlug. DJ Rush aus Amerika nahm meinen Track von der A-Seite mit dem gleichen Titel schon Anfang 2004 auf seinen Mix für die Cover-CD eines osteuropäischen Technomagazins auf, was dafür sorgte daß die Scheibe in kürzester Zeit ausverkauft war. Das war der Startschuß für weitere Erfolge, zu denen sicherlich auch die Eventreihe „Dark Force Recordings Label Night“ gehört, die zwischen 2004 und 2007 immerhin fünfmal in Deutschland, Frankreich, Belgien, Portugal und den Niederlanden in Zusammenarbeit mit unseren damaligen Veranstaltungspartnern stattfand.

Zusammenarbeit mit anderen Künstlern:

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern wie Jackhamma, O.B.I., und Dunkelkammer in Bezug auf die kreative Prozesse und die Entstehung von Tracks?

Mit Jackhamma zusammenzuarbeiten klappte bisher wirklich immer absolut reibungslos, weil unsere Vorstellungen von härterer Technomusik einfach schon immer perfekt zueinander gepasst haben. Gerade die Live-Acts mit ihm hatten uns beiden immer wieder irrsinnig viel Spaß gemacht, und mit ihm für unsere HardtraX vs. Jackhamma Live-Gigs um die Welt zu reisen machte genau so viel Spaß, wie die Live-Sets an sich. Vom Sound her passte es immer so gut, daß wir uns quasi blind vertrauen konnten. Und mit den (zugegebenermaßen seltenen) gemeinsamen Tracks war es dann genau so. Es lief einfach wie von selbst.

Die Projekte aus jüngerer Zeit mit O.B.I. und Dunkelkammer sorgten vor allem deswegen für interessante Ergebnisse, weil wir hier die Einflüsse und Ideen aus drei Köpfen miteinander kombiniert haben – und das sorgte am Ende für völlig neue, spannende Tracks, die wohl keiner von uns jemals so produziert hätte, wenn man solche Trackprojekte alleine angegangen wäre. Die deutschen Texte und Aufnahmen von Dunkelkammer in Verbindung mit den Produktionen von O.B.I. und mir, brachten erst „Die neue Ordnung“ und später noch eine Reihe weiterer erfolgreicher Tracks hervor, von denen vor allem „Alles was euch bleibt“ weltweiten Anklang fand. Ich finde es immer noch surreal, daß dieser Titel unter anderem eine Gruppe junger Technofans aus dem Iran dazu inspirierte, eine Reihe an (in Teheran natürlich stets illegaler) Underground-Raves zu veranstalten, bei dem die Teilnehmer jedes Mal Kopf und Kragen riskierten, falls man sie erwischen würde. Viele junge Menschen aus dem Iran schrieben mir damals um uns mitzuteilen, daß dieses Werk mit seinem harten, fast melancholischem, aber zugleich auch euphorischen Klängen sowie den dystopisch anmutenden Zeilen von Dunkelkammer starken Einfluß auf sie hatte. Das liegt wohl nicht zuletzt an der Aussage dieses Titels, welche in einem Land in dem sich viele junge Menschen in Punkto Kunst und Musik eingeschränkt und unterdrückt fühlen, ganz andere Dimensionen annimmt und eine noch höhere Tragweite und irgendwie auch Tragik hat.

27 Jahre in der Szene:

Rückblickend auf deine 27 Jahre in der Techno-Szene, welche Momente oder Meilensteine sind für dich besonders bedeutend?

Oh Gott, das ist so eine lange Zeitperiode in der so viel passierte… Daß ich überhaupt per Zufall auf den Protracker als Musikproduktionslösung gestoßen bin, war erstmal ein gewaltiger Schritt, der mein Leben für immer verändert hat. Meine ersten Produktionsversuche von 1997 waren an sich noch nichts Großartiges, aber das war neben meinen ersten Erfahrungen auf Raves in den späten 90’ern die Grundlage für vieles, was in den folgenden Jahrzehnten passierte. Die allerste Vinylveröffentlichung auf Plug’n’Play Records Anfang 2003 und die erste Platte auf dem eigenen Label im Dezember das gleichen Jahres waren ebenfalls großartige Momente, die ich nie vergessen werde. Beide Platten hängen heute noch eingerahmt an meiner Wand. Die Anfangszeit, als sich gerade erst eine richtige Hardtechnoszene formte, war einfach ungeheuer spannend. Das soll jedoch nicht bedeuten, daß es heute langweilig wäre. Daß ich nun Teil der 40 Plus Fraktion geworden bin und immer noch harten Techno produziere, der von tausenden Menschen weltweit gehört wird, ist für mich immer noch fantastisch. Der Enthusiasmus für diese Musik ist immer noch ungebrochen und es freut mich zu sehen, daß es viele junge Leute gibt, die heutzutage erfolgreich in der Szene aktiv sind. Ich würde sogar sagen daß es insgesamt besser läuft, als jemals zuvor.

Album "Es ist alles wie immer":

Könntest du uns mehr über dein 14. Album "Es ist alles wie immer" erzählen? Welche Bedeutung hat dieses Album für dich, und wie war die Zusammenarbeit mit Dunkelkammer?

Nach mehreren HardtraX & O.B.I. featuring Dunkelkammer Titeln und einer längeren Serie unterschiedlicher HardtraX featuring Dunkelkammer EPs, ist „Es ist alles wie immer“ (erschienen auf dem Label Definition Of Hard Techno) mein erstes gemeinsames Album mit Dunkelkammer und der Start einer Trilogie, die im Dezember 2023 mit unserem Album „Es ist doch nicht alles wie immer“ auf Dark Force Recordings fortgesetzt wurde. Das nächste, abschließende Album ist bereits in Arbeit.

Die Texte und und Vocalaufnahmen auf „Es ist alles wie immer“ stammen allesamt aus der Feder meines alten Freundes Dunkelkammer, der durch seine lyrischen Werke sehr starken Einfluß auf unsere gemeinsamen Tracks nimmt. Die Kombination aus seinen Songtexten und seinen Aufnahmen mit meinem Produktionsstil sorgt stets für sehr eigenständige (und gerne auch mal eigenwillig klingende) Ergebnisse, die in der Szene sehr gut angekommen sind.

Was mir persönlich besonders gut gefällt und was alle Produktionen mit Dunkelkammer auszeichnet, ist daß die oft schwermütigen Dunkelkammer-Texte mit Tiefgang und Wortgewalt meinen harten und sehr häufig auch melancholischen Produktionen ein noch größeres Gewicht verleihen. Der düstere Charakter unserer gemeinsamen Tracks wird durch die Lyrik in deutscher Sprache zusätzlich verstärkt. Oft geht es dabei um Themen, die in einem Party- und Club-orientiertem Genre wie Industrial Hardtechno gar nicht so oft angeschnitten werden. „Der letzte Dreck“ (gespielt von vielen bekannten DJs wie z.B. Kobosil, Amelie Lens usw.) handelt von Auswegslosigkeit und dem Drang alles hinter sich zu lassen, „Mit Vollgas ins Verderben“ ist als Sozialkritik zu betrachten, „Willst du mit mir gehen?“ lässt uns kollektiv unserem unvermeidbaren Untergang entgegenfiebern und Titel wie „Schlimmer kommt es nicht“ sind sicherlich selbsterklärend.

Auf der Innenseite der Covercard zur streng limitierten CD zum Album im giftgrün-neonfarbenem Jewelcase, findet man einen von mir verfassten Reim, der allerdings in keinem der Tracks zu hören ist. Ein kurzes Gedicht über die Schwere des Seins und dem gescheiterten Streben nach augenscheinlich unerreichbarem Glück in einem Leben, das uns immer wieder neue Tiefpunkte voller Schmerzen bringt. Diesen lyrische Erguß verfasst von meiner Wenigkeit, fand ich durchaus passend zu unseren Werken.

So sehr ich auch den alten Rave-Sound in den 90’ern liebte, so war es mir auch bewusst daß das ganze Gequatsche von „Friede, Freude, Eierkuchen“, „One World One Love“, „Peace, Love, Unity, Respect“ usw. zwar im Vordergrund einen löblichen Gedanken enthält, jedoch illusorisch ist und Teilen der Szene oftmals als Fassade galt, während sich hinter der Kulisse derweilen der eine oder andere Konflikt brodelte. Schon in den frühen 2000’ern tendierte ich eher dazu, auch andere Aspekte abzubilden, die sicherlich nicht in die Happy Rave-Zeit der früheren Technogeneration gepasst hätte.

Aber tatsächlich gibt es hin und wieder aber auch andere Töne von uns, weil wir uns nicht so wirklich an Normen halten möchten und in jedem gegebenen Moment einfach das tun, was uns gerade in den Sinn kommt und was uns Spaß macht. Der Ursprung unseres Titels „Ich bin nicht süchtig“ ist zum Beispiel eine eher zufällige Idee, die aus dem Chatverlauf einer Konversation mit meinen Freunden Jay und Dunkelkammer entstand. Dunkelkammer und ich hatten uns wöchentlich immer wieder Fotos von Neuanschaffungen für unsere Retro-Videospielsammlungen zugeschustert, was irgendwann derart aus dem Ruder lief, daß ein großer Teil des Chats nur noch daraus bestand, was tagtäglich an Videospielen, Merchandise-Artikeln, Handhelds und Heimkonsolen bei uns eintrudelte. Irgendwann schrieb ich unter einem Bild meiner neuesten Errungenschaften nur: „Ich bin nicht süchtig.“ Prompt folgte von Dunkelkammer dazu der Kommentar: „Nein, du bist nicht süchtig.“ Unser Kumpel Jay kam auf die Idee daß unsere „Videospielsucht“ zu einem neuen Track verwurstet werden sollte, wodurch bereits am nächsten Tag dieser Titel entstand. Natürlich handelt es sich nur um eine vermeintliche Sucht. Wir sind nämlich gar nicht süchtig. Echt nicht. Wir könnten jederzeit aufhören Videospiele zu sammeln. Ganz bestimmt. Irgendwann.

Auf unserem Follow-Up Album „Es ist doch nicht alles wie immer“ gibt es als Neuerung zum ersten Mal einen komplett von mir verfassten Songtext im Track „Du bist so kalt“. „Scheißegal“ wiederum nimmt sich einem Thema an, das Dunkelkammer sehr am Herzen lag und das er unbedingt in seiner unverkennbaren Manier anschneiden wollte. Hierzu habe ich den Refrain verfasst. Alles in allem finde ich es einfach wunderbar, wie sehr sich unsere Arbeit ergänzt und wie schön es dadurch ist, harte, Club-orientierte Musik mit Tiefgang und Songcharakter zu verbinden. Ich mag diese ausgefallene Mischung einfach.

Ausblick auf das kommende Album:

Was können wir von eurem nächsten Album erwarten? Gibt es spezielle künstlerische Konzepte oder Veränderungen im Sound?

Das nächste Album befindet sich bereits in Arbeit und der Titel sowie das Konzept stehen. 2024 wird es also neben einem neuen Soloalbum von mir auch ein neues HardtraX featuring Dunkelkammer Album in CD-Länge geben. Dies wird dann letztendlich Abschluß unserer Trilogie, über den wir jedoch noch nicht so viel verraten möchten.

Rückkehr von "Dark Force Recordings":

Wie kam es zur Entscheidung, "Dark Force Recordings" nach 20 Jahren wiederzubeleben, und welche Pläne habt ihr für das Label in der Zukunft?

Unsere Gründe für die Wiederauferstehung unseres Labels sind eigentlich die gleichen, wie damals bei der Gründung. Es geht uns darum daß wir unsere eigene Vision von hartem Techno nach außen tragen wollen, wobei wir jedoch nicht allein auf eigene Titel sondern auch auf andere talentierte Künstler setzen, die ins Dark Force Recordings Konzept passen.

2023 sind wir in digitaler Form und mit neuem visuellem Konzept im Anime-/Manga-Stil noch einmal neu gestartet, mit Künstlern wie Dunkelkammer, O.B.I., BLK BUG und RVLT an Bord. Im neuen Jahr geht es mit weiteren Künstlern voran, die eigentlich schon im letzten Jahr auf DFR erscheinen sollten, aber durch einige gesundheitlichen Probleme und einem herben Datenverlust, den ich nur mit viel Mühe, Zeit und Geld abwenden konnte, kam es leider zu unvorhersehbaren Verzögerungen. Dafür gibt das Label im Jahr 2024 Vollgas!

Technologische Entwicklungen:

Welche technologischen Entwicklungen in der Musikproduktion empfindest du als besonders wegweisend oder inspirierend?

Für mich ist es ganz klar das digitale Sampling. Das hat für mich alles verändert. Die Möglichkeit durch Samples flexibel zu arbeiten, war gerade in den 90’ern absoluter Segen der es ermöglichte, auch ohne extrem teure Studiosetups eigene Musik zu produzieren. Für mich als Teenager war es 1997 der Einstieg in die Welt der Musikproduktion, wenn es auch mit den damaligen Einschränkungen verbunden war. Aber genau diese Arbeit mit diversen Limitierungen auf den damals verfügbaren Heimcomputern und einer weniger intuitiven Bedienung als mit heutigen DAWs, erfoderte eine höhere Kreativität um seine Ideen in Sound umsetzen zu können – und Kreativität ist sicherlich nichts Schlechtes, oder?

Einfluss auf die Technoszene:

Wie siehst du deine Rolle und deinen Einfluss auf die heutige Techno-Szene, insbesondere im Hinblick auf die Verbreitung von Sample-Packs und die Förderung neuer Talente?

Für mich ist es wichtig daß die Szene dauernd mit frischen, inspirierenden Sounds gefüttert wird – und dabei spielen natürlich auch talentierte Newcomer eine Rolle, die eigene Ideen und/oder vielleicht sogar eine ganz neue Herangehensweise in ihre Musikproduktionen einfliessen lassen. Elemente von denen man denkt: „Hey, das ist cool. Darauf wäre ich jetzt gar nicht gekommen!“ Eben neuer Sound, der Spaß macht und inspieriert. Letztendlich sind mir Kreativität und auch die Sympathie auf menschlicher Ebene viel wichtiger als der kommerzielle Nutzen und das Vermarktungspotenzial. Sicherlich würden sich bekannte Künstler deutlich besser verkaufen, aber unterm Strich geht es mir um die musikalischen Aspekte. Gute Musik ist und bleibt einfach gute Musik, egal ob von sehr bekannten Superstar-DJs oder von jungen Leuten, die bei sich am Rechner im Schlafzimmer Tracks produziert haben.

Die von mir hergestellten Samplepacks, die über die Firma TLM Audio vertrieben werden, richten sich dabei an die gesamte Szene, die sich mit hartem Techno befasst. Mich störte früher an den meisten Samplepacks, daß die meisten Soundsammlungen diverser anderer Hersteller zwar eigentlich für härtere Stilrichtungen innerhalb der Technoszene gedacht sind, aber letztendlich meist nur Samples mit sich brachten, die in Wirklichkeit Genres wie Hardtechno, Hard Acid Techno, Industrial Hardcore, Darkcore, Doomcore o.ä. gar nicht mit einbezogen haben. Hier gab es eine riesige Lücke, die von uns ausgefüllt wurde und die mittlerweile sehr viele weitere Samplepackhersteller auf den Plan gerufen hat, und uns nach langem Zögern gefolgt sind. Meine Samplepacks werden seit einigen Jahren so häufig verwendet, daß ich beim Hören von Sets schon paranoid werde, da ich ständig und überall Sounds von mir erkenne. Dabei kommt es hin und wieder auch vor daß ich mir denke: „Wow! Die Sounds hatte ich gar nicht mit so einem Kontext im Hinterkopf designed. Daß jemand mein Sample auf diese Art einzusetzt, hätte ich niemals erwartet.“ Und genau solche Schockmomente, in denen ich höre was die Leute an kreativen Einfällen mit meinen Samplepacks umsetzen, liebe ich einfach. Ich erinnere mich beispielsweise daran, wie ich während eines Sets in einem Break plötzlich einen verzerrten Drumloop aus einer meiner Produkte gehört habe, der als Steigerung vor dem Drop eingebracht wurde und dann mit sehr einfallsreichem Effekteinsatz zu einem völlig überraschendem Beateinsatz führte. Sowas finde ich großartig. Es ist toll wenn mich andere Produzenten mit solchen Ideen basierend auf meinen Sounds aus den Socken hauen.

Klangästhetik und Sounddesign:

Wie beschreibst du deine Klangästhetik und dein Sounddesign? Gibt es bestimmte Elemente oder Techniken, die in deinen Tracks besonders hervorstechen?

Ich erinnere mich noch ganz gut daran wie O.B.I. letztes Jahr nach dem Anhören einer meiner Remixe zu mir meinte, daß ich selbst den fröhlichsten Rave-Track in einen harten, düster-melancholischen Titel verwandle. Und ich denke da könnte vielleicht tatsächlich etwas dran sein, obwohl es in der Vergangenheit natürlich auch Produktionen wie zum Beispiel „90’s Culture“ oder „XTC Rave“ gab, die ich absolut nicht als düster bezeichnen würde. Ich denke allerdings schon daß diese Stimmung und Atmosphäre meine persönliche Klangästhetik im Allgemeinen ganz gut beschreibt, und das wirkt sich auch auf mein Sounddesign aus.

Einflüsse außerhalb der Musik:

Gibt es außerhalb der Musik künstlerische oder nicht-musikalische Einflüsse, die deine Arbeit beeinflusst haben (z.B. Kunst, Literatur, Technologie)?

Eigentlich ist so ziemlich alles um einen herum etwas, was dich zwangsweise beeinflusst. Jede Erfahrung und jeder Moment ist ein Fragment deines Lebens. Jeder Einfluß wird irgendwie von deinem Gehirn verarbeitet, und das was sich in deiner Gedankenwelt abspielt, macht dich ein Stück weit aus und überträgt sich somit auf die Musik. Das Leben formt deinen Charakter, und dieser fließt wiederum automatisch in deine Werke ein.

Es würde es so erklären: Die Musik, die man produziert, reflektiert immer zu einem gewissen Grad einen Teil dessen, was sich in deinem Inneren befindet. Die Gefühle, Gedanken und Ideen, die in deinem Kopf herumschwirren sowie alles andere, was dich inspiriert, was dich freut, dich aufwühlt, was dich traurig stimmt, dich euphorisch werden lässt, dich ärgert, zum Lachen bringt, leiden lässt, begeistert oder nachdenklich gemacht hat. All das und noch viel mehr fließt immer in deine Musik mit ein und man hört es in jeder Produktion. Es ist quasi alles was man erlebt, hört, sieht, sagt, träumt usw. Dein Werk trägt unweigerlich dein Inneres nach außen, wodurch es für alle Welt hörbar wird. Das was dich definiert, definiert auch die Musik, die deine Handschrift trägt. Genau das macht sie aus. Sie zeichnet deinen persönlichen musikalischen Stil aus. Sie ist ein Stück deiner eigenen Geschichte, die davon handelt, was sich in deinem Kopf und in deinem Herzen abspielt. Zugleich ist sie eine Geschichte all deiner Eindrücke, Einflüsse und Erfahrungen – die zuvor natürlich auch von anderen Menschen geprägt wurden, die somit ebenfalls ein Teil davon sind (zum Beispiel durch deren Kunstwerke, die dich inspiriert haben).

HardtraX

Techno als Lebensstil:

Siehst du Techno eher als Musikgenre oder als Lebensstil und kulturelle Bewegung? Wie beeinflusst dies deine Herangehensweise an die Musik?

Gegenfrage: Welches Musikgenre ist nicht zugleich mit einem Lebensstil verbunden? Musik ist Leben. Musik ist Kultur. Und das trifft ganz ohne Zweifel seit der Konzeption des Genres auf Techno zu. Man schaue sich nur mal an, wieviele Menschen weltweit von der Hardtechno in ihren Bann gezogen wurden – und dies ist schließlich nur eine von vielen Subgenres innerhalb der Technobewegung, die nun schon seit Jahrzehnten besteht. Mittlerweile existiert sogar schon eine Generation, die von sich behaupten kann daß ihre Eltern (die womöglich sogar in meinem Alter sind) bereits auf Technoparties feiern waren. Das gab es in meiner Alterklasse, die jetzt zur Generation 40+ gehört, damals nicht. Damals gab es entsprechend viel Gegenwind älterer Generationen, die den damals neuartigen Sound mangels persönlichem Bezug nicht verstanden hatte, und somit der Technomusik gerne abgesprochen hat, überhaupt eine Kulturbewegung zu sein. Das ist heute definitiv anders.

Lieblings-Club oder Veranstaltungsort:

Gibt es einen bestimmten Club oder Veranstaltungsort, den du als deinen Lieblingsort für Auftritte betrachtest, und warum?

Seit Jahrzehnten ist und bleibt mein Herz im Fusion Club in Münster. Eine geradezu legendäre Institution, die über die meisten Jahre hinweg auch eine zuverlässiger Anlaufpunkt für die Liebhaber härterer Klänge war und immer noch ist. Natürlich ist das Programm des Clubs deutlich breiter gefächert, aber mich interessierten schon immer vor allem die härteren Technoparties. Das Fantastische am Fusion Club ist, daß er nach so vielen Jahren und trotz vieler Veränderungen im Laufe der Zeit nichts von seinem Charme, seinem Charakter und seiner Anziehungskraft verloren hat. Ich habe in den letzten Jahrzehnten schon in vielen Ländern gespielt und tolle Parties und Festivals mit großartigen Menschen erleben dürfen, aber der Fusion Club ist einfach der Club an dem ich als erstes denke, wenn es um Techno und gute Parties geht.

HardtraX - Fusion Club Münster (November 2005)

Erfahrungen mit Vinyl:

Hat Vinyl eine besondere Bedeutung für dich, und wie siehst du die Renaissance von Vinyl in der elektronischen Musikszene?

Die Schallplatte war damals einfach das Medium, um Techno nach draußen in die Welt zu tragen. Es war absolut alternativlos. An den Verkauf digitaler Formate, für die eh niemand was bezahlt hätte, war damals nicht zu denken. Von Streaming ganz zu schweigen. Geeignete Player für den Clubeinsatz digitaler Formate gab es früher auch nicht. Somit blieb Vinyl als einzige Option, zu der sich mit der Einführung des CDJ-1000 als ernstzunehmendes Profi-CD-Deck mit besserem Jogwheel und feinerer Pitchauflösung auch die Compact Disc gesellte.

Ich selbst spielte ab 2004 auch fast nur noch mit CDs, was einfach daran lag daß Vinyl im Vergleich höchst unpraktisch in der Handhabung war. Zudem war es mit CDJs deutlich leichter, neue Eigenproduktionen im Club zu testen. Mit unserem Label Dark Force Recordings und dem von Sinclair übernommenen Label Plug’n’Play Records, pressten wir jedoch noch viele weitere Jahre Schallplatten, die in die ganze Welt gingen. Ich selbst konnte mich aus nostalgischen Gründen nie von den Techno-Schallplatten aus meiner Jugend trennen und habe sämtliche Scheiben gehortet. Im Endeffekt habe ich jede einzelne dieser Platten behalten und mittlerweile besitze ich auch wieder einen Plattenspieler, damit ich mir die Scheiben gelegentlich anhören kann. Erst neulich fielen mir wieder eine Menge Hardtechno White Label-Muster in die Hände, die ich mir zum Teil nur einmal oder sogar nie zuvor angehört hatte.

Rückblick auf Anfänge:

Wenn du auf deine Anfänge als DJ oder Produzent zurückblickst, gibt es etwas, das du deinem jüngeren Selbst raten würdest?

Aber klar doch. Falls es Zeitreisen gibt und mein jüngeres Ich dieses Interview hier durch einen Blick in die Zukunft liest: Kauf dir einen Lottoschein mit der Zusatzzahl 7 für die Ziehung vom 12. Mai 2004 und nimm die Zahlen 5, 7, 13, 23, 28 und 38!

Ratschläge für aufstrebende Künstler:

Welche Ratschläge würdest du jungen und aufstrebenden Techno-Produzenten geben, die in deine Fußstapfen treten wollen?

Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, denn der erste Eindruck ist oft entscheidend. Die allererste Eigenproduktion direkt auf den Markt zu werfen erscheint zwar sehr verlockend, kann allerdings ohne eine gehörige Portion Selbstkritik und einem unbedingt notwendigem, hohen Selbstanspruch auch mal unvorteilhaft enden. Der schnelle Erfolg sollte nicht das Ziel sein und gekaufte Fake-Likes und Clickfarm-Follower sind nicht die Lösung. Außerdem sage ich Finger weg vom Ghostproducing! Wer seine Tracks nicht selber produziert, der verpasst eine Menge Spaß und baut das Fundament seiner Karriere womöglich noch auf Lügen auf. Selbst ist der Mann (oder die Frau).

Danksagung an HardtraX

Wir möchten HardtraX von ganzem Herzen für die großartige Zusammenarbeit und das faszinierende Einblick gewährende Interview danken. Seine Leidenschaft für die Techno-Szene und die großzügige Bereitschaft, seine Erfahrungen zu teilen, haben dieses Interview zu einem einzigartigen Erlebnis gemacht.

HardtraX, dein Engagement für die Musik, deine inspirierenden Einblicke in die Anfänge von „Dark Force Recordings“, sowie die tieferen Schichten deiner kreativen Prozesse haben nicht nur uns, sondern sicherlich auch unsere Leser und Zuhörer begeistert.

Wir schätzen deine Offenheit, Begeisterung und die Zeit, die du für dieses Interview aufgebracht hast. Dein Beitrag zur Techno-Szene ist von unschätzbarem Wert, und wir freuen uns darauf, deine zukünftigen Projekte und Errungenschaften weiterhin zu verfolgen.

Vielen Dank, HardtraX, für dieses unvergessliche Interview und die Fortführung deines musikalischen Erbes!

Mit tiefem Respekt und musikalischer Wertschätzung,

@M8_Sound

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